Gerade jetzt, zu Beginn des neuen Jahres, stolpere ich auf Instagram oder Facebook immer wieder über Anzeigen und Angebote wie diese:
„In nur wenigen Wochen zum Hundephysiotherapeuten!“
oder
„Tierheilpraktiker in 16 Wochen – praxisnah & intensiv!“
Ich sehe diese Angebote mit großer Sorge und mich ärgert diese Entwicklung sehr, weil sie der Verantwortung gegenüber den Tieren nicht gerecht werden. Hier wird mit großen Versprechen geworben – auf Kosten von Qualität und Fachwissen.
Und diese Versprechen setzen genau dort an, wo die meisten besonders empfänglich sind: bei der Liebe zu unseren Hunden.
Die Botschaft solcher Angebote ist:Du kannst schnell „zum Profi“ werden, ein bisschen Theorie, ein paar praktische Übungen, und schon darfst du kranke oder operierte Tiere behandeln.„In nur wenigen Wochen wirst du gezielt, modern und praxisnah auf deinen neuen Beruf vorbereitet“.
Achtung: Das ist irreführend!
Ich möchte in diesem Artikel offen darüber sprechen, worauf ihr wirklich achten solltet, wenn ihr einen guten, seriösen Therapeuten für euren Hund sucht – oder wenn ihr selbst überlegt, eine Ausbildung in diesem Bereich zu machen.
Es geht darum, die Angebote zu erkennen, die wirklich Hand und Fuß haben – und die, hinter denen leider nur Marketing-Blabla steckt. Damit ihr eure Lieblinge in sichere, kompetente Hände gebt.
Stell dir vor, dein Hund kommt frisch operiert nach Hause…
…nach einer Kreuzband-OP oder einer Bandscheiben OP, er kann aktuell nicht laufen – und ihr landet dann bei einem Therapeuten, welcher seine Ausbildung in nur vier Monaten absolviert hat.
Glaubst Du wirklich, dass nach vier Monaten oder einigen wenigen Wochen genug Wissen und Erfahrung über eine sichere Befundung, Behandlung, Belastungsmanagement oder Reha vorhanden ist? Wohl kaum. Das ist nicht nur tierschutzrechtlich kritisch – nein, es kann deinem Hund ernsthaft schaden.
Was vielleicht die Wenigsten wissen: Hundephysiotherapie ist nicht nur ein Herzensprojekt, sondern in erster Linie ein Fachberuf, ein medizinisch-naher Beruf. Wir arbeiten mit:
Das erfordert fundiertes Wissen über:
Hundephysiotherapeuten arbeiten eng mit Tierärzten zusammen. Seriöse Ausbildungen dauern oft 12–24 Monate und haben einen hohen Praxisanteil.
Vertrauen und Respekt sowie das Wohl des Hundes steht im Vordergrund. Wenn es nötig ist, werden alle Dinge, die dem Heilungsverlauf im Wege stehen angesprochen. Zusammen mit dem Hundehalter wird beraten was für den Hund und den Halter individuell machbar und umsetzbar ist.
Du solltest hellhörig werden, bei Therapeuten mit
Vielleicht fragst Du Dich jetzt: Ist Tier-/Hundephysiotherapeut überhaupt ein staatlich anerkannter Beruf?
LEIDER NEIN, bisher NOCH nicht.
Aktuell kann sich nahezu jeder „Tierphysiotherapeut“, „Hundephysiotherapeut“ oder „Hundemasseur“ nennen – ohne Nachweise über Ausbildung, Qualifikation oder Fachwissen.
Oft genügen wenige Wochenendkurse oder ein paar Online-Module. Es gibt darüber leider keine Kontrolle, keine Standards und keine Sicherheit für die Tiere, die behandelt werden.
Bislang gibt es noch keine einheitliche schulische Ausbildungsrichtlinie. Aus- oder Weiterbildungen finden oft bei privaten Anbietern/Schulen statt.
Es gibt jedoch einen Hoffnungsschimmer am Horizont.
Die „GGTM“ – die Gesellschaft für Ganzheitliche Tiermedizin e.V. hat aufgrund der Vielzahl an unterschiedlichen Ausbildungsinhalten der Schulen ein „Curriculum“ entwickelt und strebt eine einheitliche Ausbildung an.
Ziel ist: ein staatlich anerkannter Tier-/Hundephysiotherapeut.
Informationen zur „GGTM“ findest du hier: https://ggtm.de/
Diese vereinheitlichte Ausbildung befürworte ich sehr!
Und zum Schluss, falls Du überlegst selbst eine Ausbildung zum Hundephysiotherapeuten, Hundemasseur, Hunde Osteopath, Hundefitnesstrainer oder Tierheilpraktiker zu absolvieren, so achte bitte in Anzeigen, auf Homepages, in Werbeflyern auf folgende
Red flags / Warnhinweise:
Sprachliche Warnsignale im Text. Der Text ist nicht neutral-informativ, sondern stark emotionalisierend:
„Ein neues Jahr beginnt – jetzt genau ist der Moment…im neuen Jahr mit neuer Kraft“„Bitte nichts aufschieben – jetzt geht es los!“„Das Jahr neigt sich dem Ende – sichere dir deinen Platz!“
Das erzeugt künstliche Dringlichkeit. Solche Formulierungen setzen dich unter Druck, ohne dass der Kursinhalt besser wird.
Herz-Narrativ statt Fachlichkeit
„Nicht nur Tiere lieben – ihnen wirklich helfen“ – „mit ganz viel Herz“
Das wirkt sicher sympathisch, ist aber kein Ersatz für Kompetenz. Hier ersetzt emotionales Marketing die Fachlichkeit. Schlagworte wie „herzensnah“, „mit viel Liebe zum Tier“, klingen gut, sind aber keine Aussage über Wissen oder Qualifikation.
Abwertung von klassischer Ausbildung
„Tiefe statt Theorie, Praxisnähe statt PowerPoint“
Seriöse medizinische Berufe benötigen zwingend die Theorie (anatomische Fachkenntnisse, Muskulatur, Nerven). Wer die Theorie schlechtredet, hat oft nicht viel davon im Programm oder geht nur oberflächlich darauf ein.
„Intensiv“, „modern“, „anders“
Oft werden sog. „Buzzwords“ ohne überprüfbare Inhalte verwendet. Werde kritisch, wenn Du nichts zu nachfolgenden Inhalte findest:
Zwei Wochenenden für die Praxisausbildung
Ganz nüchtern: Nur 2 oder drei Wochenenden für das Erlernen der Praxis?
Das soll wirklich reichen um sicher die therapeutische Massage, das passive Bewegen, das Dehnen, das aktive Training, der neurologische Untersuchungsgang, der Befund, das Palpieren, alle relevanten Praxistests und Handgriffe für jedes Gelenk im Hundekörper uvm. zu erlernen?
Für tatsächliche orthopädische/neurologische Patienten?
Lasst euch nicht von Crash-Kursen oder emotionalem Marketing blenden. Euer Hund verdient Kompetenz, Erfahrung und Sicherheit, keine Marketing-Tricks.
Wenn ihr einen Therapeuten auswählt, schaut auf Ausbildung, Praxis und Fachwissen. Hört auf Empfehlungen von Freunden und Bekannten, die bereits von guten Therapeuten profitieren konnten. So gebt ihr eure Lieblinge in sichere Hände, die wirklich helfen können.
Ich habe:
Nicht, weil es gut klingt. Sondern weil ich Verantwortung trage.Für jeden Hund - Für jede Entscheidung - Für jede Behandlung.
Informiert euch gut, hinterfragt Angebote kritisch und wählt die Person, die euren Hund wirklich versteht und kompetent begleitet. Denn jeder Hund verdient das Beste.
Wenn ihr Fragen habt zu Behandlungen, Krankheitsbildern, Prävention, usw. könnt ihr mich jederzeit gerne kontaktieren. Ihr seid herzlich eingeladen, meine Praxis zu besichtigen oder ein unverbindliches Kennenlerntelefonat zu führen. Gerne nenne ich euch auch Referenzen.
Ich freue mich sehr darauf, euch kennenzulernen.
Herzlichst eure KerstinHundephysiotherapeutin & Osteopathin aus Seßlach